(Off) Roadtrip durch Belize: 48 Stunden, 480 km

Von Orange Walk Town machen wir uns auf den Weg in die ehemalige Hauptstadt an der Ostküste: Belize City. Die Stadt mit recht schlechtem Ruf lädt nicht unbedingt zum Verweilen ein und so verbringen wir dort nur eine Nacht, bevor wir uns einen weiteren Wunsch erfüllen. Wir mieten uns für 48 Stunden ein Auto und wollen Teile des Landes bei einem Roadtrip durch Belize auf eigene Faust erkunden.

Mithilfe unserer Hostelmama vereinbaren wir einen Deal mit Euphrates Car Rental, die uns am kommenden Morgen um 8 Uhr abholen und den Mietwagen übergeben wollen – funktioniert alles anstandslos.
Roadtrip Mietwagen

Roadtrip durch Belize – Tag 1Tag 1

Mit ausreichend Wasser und zwei Lunchboxen ausgestattet, machen wir uns also auf den Weg Richtung Westen. Ungefähres Ziel für den ersten Tag soll San Ignacio an der Grenze zu Guatemala sein. Uns wurde außerdem ein Abstecher in das Mountain Pine Ridge Mountain Forest Reserve empfohlen, das unter anderem mit Höhlen und Wasserfällen lockt.
Roadtrip Belize Plan

Der gut ausgebaute Western Highway führt uns zunächst durch flaches, grünes Land, dann vorbei an der verschlafenen Hauptstadt Belmopan, später durch kleine Dörfer bis nach San Ignacio.

Bevor wir ins Reservat fahren, wollen wir die Übernachtungsmöglichkeiten für den ersten Tag checken. Den Gedanken, die Nacht im Auto zu verbringen, haben wir aufgrund der Hitze nämlich recht schnell wieder verworfen. Im Voraus haben wir einen Campingplatz in San Ignacio ausfindig gemacht, der wohl auch Zelte vermieten soll. Als wir dort gegen 10 Uhr ankommen, ist allerdings kein Mitarbeiter anzutreffen. Da es Sonntag ist und das bei den gläubigen Belizians wirklich noch Bedeutung hat, möchten wir etwas warten. Als aber eine Dreiviertelstunde später immer noch keiner auftaucht, entscheiden wir, doch direkt ins Reservat zu fahren und später auf gut Glück zurückzukehren.


Also wieder raus aus der Stadt und runter vom Highway. Weg von asphaltierter Straße und rein ins Abenteuer. Beim Anblick des Sand-Schotter-Schlagloch-Gemischs, das auf uns wartet, wird uns etwas mulmig zumute und wir beten, dass unser Auto das mitmacht. Alleine bis zum offiziellen Eingang brauchen wir etwa eine Stunde – und das sind gerade mal 20 km…mountain reserve lettering

An der klapprigen Eingangshütte können wir einfach passieren, eine Gebühr wird nicht fällig. Die Landschaft wechselt plötzlich von Palmen, Lianen und anderem tropischen Gewächs zu rötlichem Sand, Felsen und Pinienbäumen. Irgendwie habe ich nun mehr das Gefühl, in einem kanadischen Nationalpark zu sein, als in Zentralamerika nahe der Karibik. Und zwischendurch immer ein prüfender Blick: Ist das Auto noch heil?

Um die Mittagszeit erreichen wir einen der sehenswerten Spots im Reservat: die Rio On Pools. Wir stellen unser Auto ab und steigen hinunter zum Fluss. Auch hier würde es mich nicht wundern, wenn ein Grizzly auftaucht und nach Lachsen fischt – es würde gut ins Bild passen. Wie ich es mir erhofft hatte, sitzen wir nun auf den Felsen, schauen auf den Fluss und essen unser Sandwich. Dann geht es zur Erfrischung in die „Pools“, die die Natur hier geschaffen hat.Rio on Pools
rio on pools belize


Im Wasser treffen wir auf eine amerikanische Familie, die uns einen Besuch der Rio Frio Cave im Reservat empfiehlt. Diese liegt auch nur wenige Kilometer von den Pools entfernt und 20 Minuten später stellen wir dort unser Auto ab. Die Flora wirkt hier gleich wieder etwas tropischer.rio frio cave

Die Höhle ist auf der anderen Seite geöffnet, so fällt genug Licht hinein, die Stalagtiten erkennen zu können. In fünf Minuten ist man einmal durchgelaufen. Ist sicherlich ganz nett, aber wer zuvor schon andere Höhlen gesehen hat, wird nicht unbedingt beeindruckt sein. Da es schon Nachmittag ist und wir das Reservat angesichts der „Straßen“bedingungen im Hellen verlassen wollen, verzichten wir auf den 1000 ft Waterfall, der nochmal ein kleiner Umweg wäre. Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir wieder San Ignacio und fahren zurück zum Campingplatz.Lettering San Ignacio

Diesmal haben wir mehr Glück und treffen auf die Besitzer, Zelte gibt es derzeit allerdings keine zu mieten. So entscheiden wir uns für eine der Holzhütten auf der Wiese.


Roadtrip durch Belize – Tag 2Tag 2

Nach dem Check-out geht der Roadtrip durch Belize heute weiter. Wir möchten über den Hummingbird Highway Richtung Süden und wieder Richtung Küste. Kurz vor San Ignacio hatte ich, Lisa, am vorherigen Tag ein Schild gesehen, das auf das „National Goat and Sheep Breeding Center“ hinweist. Und da ich Ziegen und Schafe ziemlich cool finde, beschließen wir, einfach mal dort vorbeizufahren.goat and sheep

Nach einer Meile Schotterweg erreichen wir die Farm und können schon von Weitem einige der Tiere erkennen. Frech fahren wir einfach mal auf das Gelände, wo uns ein Mann an das Sekretariat im Bürogebäude verweist. Dort sollen wir uns als Besucher eintragen und prompt entscheidet einer der Mitarbeiter, uns eine private Führung zu geben. Er führt uns über das Gelände und erklärt, dass es sich um ein Projekt des belizianischen Ministrys of Agriculture and Environment handelt, wo Ziegen und Schafe kontrolliert vermehrt werden, um sie an Bauern zu verkaufen. Wir verbringen bestimmt eine Dreiviertelstunde auf der Farm und alle unsere Fragen werden beantwortet. Eine tolle Überraschung, so viel hatten wir uns von unserem Besuch ja gar nicht erwartet! Gleichzeitig scheinen sich die Mitarbeiter zu freuen, dass wir so interessiert an ihrem Projekt sind und versorgen uns abschließend noch mit Informationsmaterial.


Weiter geht es nach Spanish Lookout, ein Mennonitendorf nördlich des Western Highway, das weite Teile von Belize mit seinen Agrarprodukten versorgt. Die evangelischen Freikirchler sind im 18. Jahrhundert aus Mitteleuropa, auch Deutschland, wegen Verfolgung nach Nordamerika geflohen. Die Ausprägungen der Mennoniten sind unterschiedlich stark, teilweise werden Fortschritt und der Einsatz von Maschinen komplett abgelehnt. Frieden, Harmonie und Familie sind hingegen sehr wichtige Aspekte. Die meisten Mennoniten sind Farmer – so ist auch Spanish Lookout eher eine weitläufige Ansammlung von Bauernhöfen, als ein kompaktes Dorf. Einen eindeutigen Ortskern sucht man vergebens.


Vorbei an Belmopan, biegen wir nun auf den bekannten Hummingbird Highway ab, der uns durch unglaublich grüne und hügelige Landschaft führt. Postkartenaussicht! Nach einiger Zeit erreichen wir den bekannten Blue Hole National Park, dessen Eingang direkt am Highway liegt. Da das Blue Hole jedoch Cenoten ähnelt, die wir bereits in Mexiko besucht haben, entscheiden wir, diesen zu überspringen. Stattdessen möchten wir in den Five Blues Lake National Park, der etwa 15 km entfernt liegt. Der See, der dem Park seinen Namen gibt, soll angeblich in fünf verschiedenen Blautönen glitzern. Viel mehr wissen wir nicht, aber wie auch am Vortag, fahren wir einfach mal auf gut Glück dorthin. Zumindest versuchen wir es…

Innerhalb von zwei Stunden abseits der Straße begegnen wir kaum einer Menschenseele, außer zwei einheimischer Bauern mit Machete, die uns verwundert ansehen. Mit dem Auto geht es gefühlt durchs Nirgendwo, über Schotterpisten, übelste Schlaglöcher und durch ein Flussbett. Und: Den See haben wir nicht gefunden. Ja, das passiert eben, wenn man „abseits der ausgetrampelten Pfade“ unterwegs sein will.


Zurück auf dem Hummingbird Highway freuen wir uns erstmal, wieder etwas Gas geben zu können und nicht permanent durchgeschüttelt zu werden. Wir genießen das Postkartenidyll und überlegen noch, wie und wo wir die zweite Nacht verbringen könnten. Gegen 16 Uhr kommen wir an der Karibikküste in Dangriga an, doch der Ort kann uns nicht überzeugen, zu bleiben. Über die klangvolle Coastal Road wollen wir zurück in den Norden, zurück Richtung Belize City, wo wir am nächsten Morgen unseren Wagen abgeben müssen. Doch die Coastal Road hat ihren Namen absolut nicht verdient. Zum einen ist es keine Straße, sondern wieder mal nur eine Schotterpiste. Und zweitens sieht man von der Küste überhaupt nichts. Für die wenigen Kilometer bis zum Ort Mullins River brauchen wir viel länger als erwartet und übernachten können wir in dem Hundertseelendorf auch nicht.mullins river
Dann stehen wir da am Karibischen Meer und beschließen, umzukehren. Weiter über die Coastal Road würden wir noch Stunden brauchen und Belize City definitiv im Dunkeln erreichen – und das ohne gebuchte Unterkunft. Zu riskant in der Stadt mit der hohen Kriminalitätsrate. Also den gleichen Weg über den Hummingbird Highway zurück. Noch ist es hell und unterwegs nehmen wir sogar eine Mutter mit ihrem Kind mit, die an der Straße warten und bis zum nächsten Dorf gebracht werden wollen. Trampen ist in Belize gang und gäbe. Als wir die Hauptstadt Belmopan erreichen, ist es bereits 21 Uhr und wir entscheiden, unser Nachtlager hier aufzuschlagen und die restlichen 80 km früh am nächsten Morgen hinter uns zu bringen. In einem einfachen Hotel bekommen wir noch ein Zimmer und sind froh, nach einem langen Tag im Bett zu liegen.


Roadtrip durch Belize – Tag 3

Um kurz nach 6 Uhr morgens brechen wir von Belmopan auf, um uns auf den Rückweg nach Belize City zu machen und unseren Wagen wieder abzugeben. Gut, dass wir für die verbleibenden 80 km so viel Zeit eingeplant haben, denn bereits einige Kilometer vor der Stadt beginnt der Stau. Viele Menschen aus dem Umland und sogar aus Belmopan pendeln jeden Tag in die ehemalige Hauptstadt, wo die meisten Unternehmen noch immer ihren Sitz haben. Vor dem Berufsverkehr ist man also auch in Belize nicht sicher. Kurz vor acht übergeben wir den Jungs der Autovermietung dann den Wagen. Wir sind erleichtert, dass sie nicht all zu genau hinschauen, aber eins bemerken sie sofort: er muss dringend in die Waschanlage! Netterweise werden wir noch zum Busbahnhof gebracht, wo wir unsere Reise weiter gen Süden fortsetzen.

enjoy your journey!

 

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