Vietnam – Norden, Phong Nha bis Sa Pa, 12. – 22. November 2015

Inhalte des Beitrags
1. Phong Nha Nationalpark: Paradise & Phong Nha Cave
2. Hauptstadt Hanoi
3. Cat Ba Island: tolle Alternative zu Ha Long
4. Reisterrassen rund um Sa Pa

Phong Nha Nationalpark

Mit dem Bus von der entmilitarisierten Zone in Südvietnam kommend, erreichen wir am späten Abend das Örtchen Son Trach, das als Tor zum Phong Nha Nationalpark fungiert. Nur wenige Meter von der Busstation entfernt befindet sich schon unser Hostel, das gerade in der Neueröffnung steckt. Das junge Inhaberpaar ist noch unerfahren und dankbar über jeden Tipp von uns als Touristikprofis. Gemeinsam entwerfen wir z.B. eine Frühstücksmenükarte für die Gäste.
Zur Destination: Der Nationalpark erstreckt sich über ein Gebiet von knapp 86.000 ha und ist wegen seiner riesigen Höhlen bekannt. Seit 2003 ist der Park zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Erst im Jahr 2009 haben Forscher hier 20 neue Höhlen entdeckt, darunter auch die bislang größte der Welt. Es werden verschiedene Touren angeboten, dennoch entscheiden wir uns, das Gebiet auf eigene Faust zu erkunden und mieten uns ein Motorrad direkt in unserer Unterkunft. Dies war eine gute Entscheidung, denn damit kann man alle Sehenswürdigkeiten gut erreichen und spart auf jeden Fall eine Menge Geld. Außerdem ist schon die Strecke durch den Nationalpark an sich ein tolles Erlebnis. Die Landschaft ist wunderschön und hier und da trifft man auf Wasserbüffel, die in Wasserlöchern baden.

Die meist besichtigte Höhle ist die Paradise Cave. Deinen Roller stellst du am Eingang ab, dann warten unendlich viele Treppenstufen auf dich. Doch der steile und mühsame Weg durch den Wald lohnt sich. Die Höhle reicht kilometerweit in das Innere des Berges hinein und du kannst auf errichteten Holzstegen entlanglaufen. Die Stalaktiten und Stalagmiten sind durch Scheinwerfer schön in Szene gesetzt. Außerdem ist es in der Höhle sehr kühl, was nach dem anstrengenden Aufstieg mehr als angenehm ist.

Die bereits erwähnte, erst 2009 entdeckte größte Höhle der Welt ist für den „Normalo-Urlauber“ nicht besuchbar. Touren sind für mehrere Zehntausend Euro buchbar.

Auf dem Rückweg haben wir noch einen Zwischenstopp am Botanical Garden eingeplant. Gerade das Motorrad geparkt, verbrennt sich Lisa beim Absteigen das Schienbein am heißen Motor. War ja klar, dass das irgendwann passieren muss… Botanical Garden fällt also aus und wir fahren zurück nach Son Trach. Gott sei Dank ist Markus bestens mit allen Arten von Pflastern, Gels und Wundverbänden ausgestattet.

Merke: Verbrennungen immer feucht halten, nicht austrocknen lassen! Am besten hilft ein Gelpflaster und Frischhaltefolie zum Schutz darüber.

Am nächsten Tag möchten wir noch die Phong Nha Cave besichtigen, der ersten dem Tourismus geöffneten Höhle in der Umgebung. Diese Höhle ist nicht begehbar, sondern kann nur per Boot durchfahren werden. Die Anlegestelle befindet sich ganz in der Nähe von Son Trach und ist zu Fuß erreichbar. Der generelle Ablauf: Man mietet sich ein sogenanntes „Dragon Boat“ inklusive Guide. Der Mietpreis wird schließlich auf alle Mitfahrende aufgeteilt. Entweder suchst du dir also zuvor schon interessierte Personen (z.B. aus deiner Unterkunft) oder du gehst alleine zur Anlegestelle und wartest etwas, bis andere Interessenten auftauchen und eine Gruppe vollständig ist. Während der Bootsfahrt kannst du nochmal die tolle Landschaft mit dem vielen Karstgestein bewundern. Auch die Höhle ist sehenswert, wenn auch nicht ganz so beeindruckend wie die Paradise Cave. Dieser Ausflug ist optimal für einen halben Tag.

Am Abend verlassen wir Son Trach per Sleeping Bus und fahren weiter nach Norden ins 500 km entfernte Hanoi.


Hanoi

Vom Phong Nha Nationalpark in Zentralvietnam kommend, sind wir mit dem Sleeping Bus die ganze Nacht durchgefahren. Am frühen Morgen erreichen wir dann Hanoi. Vom Bus Office aus nehmen wir ein Taxi zu unserer Unterkunft, die etwas versteckt in einer Seitengasse, aber dennoch zentral in der Nähe des Opernhauses liegt. Zu Fuß erkunden wir die Stadt und besuchen das Gefängnismuseum sowie den Hoan Kiem See, auf dem sich ein Buddhistischer Tempel befindet. Abends stöbern wir auf dem quirligen Nachtmarkt, auf dem leider sehr viel Schrott verkauft wird.

Auch am folgenden Tag sind wir zu Fuß unterwegs und schlendern durch die vielen Gassen mit Cafés, Straßenständen und Souvenirlädchen. Am Abend dann das Highlight: Wir haben eine Street Food Tour gebucht, bei der wir in einer kleinen Gruppe sieben verschiedene Lokalitäten in der Altstadt von Hanoi besuchen und uns durch die vietnamesische Küche probieren können. Von Sticky rice über die klassische Pho oder Reispfannkuchen bis hin zu Kaffee mit Ei („Vietnamese Coffee“, schmeckt besser als es klingt!) ist alles dabei. Super lecker, super interessant und absolut empfehlenswert!

Am nächsten Tag treten wir die Weiterreise nach Cat Ba an.


Cat Ba Island

Nach stundenlanger Reise mit dutzenden Umstiegen und unzähliger Verkehrsmittel kommen wir am frühen Abend endlich auf der Insel Cat Ba an. In etwa sieht das ganze so aus: Zunächst geht es von Hanoi mit diversen Bussen und Shuttles in die 120 km entfernte Küstenstadt Haiphong, dann zum Hafen, mit dem Boot weiter auf die Insel Cat Ba, dann wieder in einen Bus…

Noch am selben Abend buchen wir bei Asia Outdoors eine dreistündige Trekkingtour für den nächsten Tag.

Top motiviert starten wir morgens vom Asia Outdoor Büro. Von hier aus erfolgt der Transport nach Lien Minh, wo der Trek durch den Dschungel beginnt. Es geht wortwörtlich über Stock und Stein, wir balancieren über Baumstämme und klettern über Felsen. Völlig außer Atem kommen wir dann am Gipfel an und beschließen, den restlichen Tag nur noch zu entspannen.

Für den nächsten Tag planen wir dann eine Tour zur Lan Ha Bucht, der Hauptgrund für unseren Aufenthalt auf Cat Ba Island. Die bilderbuchartige Landschaft voller Kalkfelsen im Meer sieht aus wie das Set eines Piratenfilmes.

Am bekanntesten ist natürlich die Ha Long Bucht, etwas nördlich von Cat Ba auf dem vietnamesischen Festland gelegen. Hier ragen an die 2000 Kalkfelsen aus dem Wasser, teilweise mehrere hundert Meter hoch. 1994 wurde die Bucht von der UESCO zum Weltnaturerbe gekürt. Doch diese haben wir als Ausgangsort ganz bewusst gemieden. Zu viele negative Infos haben wir im Voraus darüber gelesen: Massen an Touris, Abzocken, Sicherheitsmangel durch veraltete Boote, völlig überteuert…

Daher haben wir uns für Cat Ba entscheiden, von wo aus man individuell Touren in die Lan Ha Bucht buchen kann, die ein Teil der Ha Long Bucht ist. Lan Ha ist deutlich weniger frequentiert und steht ihrer größeren Schwester in nichts nach. Eine wirklich tolle Alternative, die wir nur empfehlen können!

Die Tour haben wir über unsere Unterkunft organisieren lassen: der Hostelchef kennt einen Bootsbesitzer, dieser kennt einen Kayakbesitzer, der wiederum kann uns zu einem tollen Strand fahren… ihr kennt das Spiel. Letztendlich machen wir einen tollen Ausflug, vorbei an schwimmenden Dörfern, unzähligen Kalkfelsen und mit Abstecher auf Monkey Island.

Auf zur letzten Station in Vietnam: Sa Pa…


Sa Pa: Es wird traditionell

Noch am gleichen Abend machen wir uns auf den Weg nach Sa Pa, eine Stadt in der nordvietnamesischen Bergregion, kurz vor der südchinesischen Grenze gelegen. Wir sind die ganze Nacht unterwegs mit Minivan – Boot – Bus – Minivan – Sleeping Bus – Minivan, bis wir am frühen Morgen endlich in Sa Pa ankommen. Als wir aussteigen, spüren wir sofort: hier ist es plötzlich gar nicht mehr so warm! Man befindet sich auf zwischen 1600 Metern Höhe, die Durchschnittstemperatur liegt bei 15 bis 18 Grad und es ist meist bewölkt. Im Winter fällt hier gelegentlich auch Schnee. Nach den letzten 8 Wochen mit tropischem Klima unvorstellbar! Immerhin: nun haben sich endlich der dicke Pulli und der Schal in meinem Rucksack gelohnt!

Die Landschaft ist wunderschön und ich fühle mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt, als ich jeden Urlaub in den Alpen verbracht habe. Dennoch ist dieses Bergmassiv in Vietnam noch weitaus beeindruckender. Besonders ist die Region für ihre üppigen Reisterrassen und verschiedene Bergvölker, allen voran die „Schwarzen H`Mong“, bekannt.

Überraschung auf dem Markt

Da Markus etwas kränkelt, mache ich mich alleine auf den Weg, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Ich habe von einem Markt im Zentrum gehört, der mein Ziel sein soll. Ich schlängele mich durch die übliche Obst- und Gemüseabteilung hin zu Fisch und Meeresgetier. Alles gewöhnliche Eindrücke von einem Markt – bis ich auf etwas Merkwürdiges in der Fleischabteilung stoße. Abgepackte Plastikbeutel mit frischem Blut, daneben Beine und Rippen. Ich erkenne sofort, dass es sich definitiv nicht um Rind, Schwein oder Huhn handelt. Auch Lamm ist das nicht…

Plötzlich entdecke ich daneben, stolz platziert, einen abgetrennten Hundekopf… Ein wirklicher Kulturschock für mich, aber durch die unmittelbare Nähe zu China eigentlich keine große Überraschung. Ich lasse mir erklären, dass Hundefleisch als wärmend und stärkend gilt. Daher wird es von den Bergvölkern besonders in den kalten Wintermonaten mit Vorliebe verzehrt. Entgegen unserem europäischen Denken, ist das Fleisch sehr wertvoll und gilt als Spezialität. Nur wenige können sich das tatsächlich leisten. Schon in Ordnung – ich verzichte freiwillig!

Die HMong-Frauen sind überall in Sa Pa als Händlerinnen unterwegs und unschwer an ihrer traditionellen Tracht zu erkennen. Sie kommen jeden Tag von ihren Dörfern nach Sa Pa gelaufen, um ihre Ware an Touristen zu verkaufen. Insbesondere bieten sie Schmuck, Taschen oder anderes Handgefertigtes an. Dementsprechend sind Frauen ihre Hauptzielgruppe. Wenn du denkst, Strandverkäufer oder thailändische Tuk Tuk-Fahrer sind hartnäckige Händler, hast du noch keine HMong-Frau erlebt!

Am Abend wird es verhältnismäßig richtig kalt und wir essen in einem gemütlichen Restaurant vor einem Kamin. Erstmals kommt bei mir so etwas wie weihnachtliche Stimmung auf.

Was für eine Landschaft!

Am nächsten Tag mieten wir uns wieder einen Roller, um die wunderschöne Umgebung zu erkunden. Wir fahren durch die Berge, durch Wälder, durch einen Wasserfall, der die Straße kreuzt. Viele kleine Dörfer, Wasserbüffel, Hühner, Enten und Ferkel – dazwischen kleine Kinder, die mit den Tieren im Matsch spielen. Ein Traum! Die Straßen sind gut ausgebaut und es herrscht kaum Verkehr. Das macht das Fahren sehr angenehm. Wir machen z.B. Halt am Dorf Cat Cat mit gleichnamigem Wasserfall, der ganz nett ist und zu Fuß erkundet werden kann. Später überqueren wir noch die etwas wackelige Cau May Brücke („Wolkenbrücke“) – nur was für Schwindelfreie!

Für den nächsten Morgen haben wir eine Halbtagestour Lao Cai – Ta Van Village gebucht. Eine junge HMong-Frau führt uns dabei durch Reisfelder und durch indigene Dörfer. Wir dürfen etwas Reisschnaps kosten, der gerade im Schweinestall neben einer Riesenwutz gebrannt wird. Insgesamt erhalten wir einen spannenden Einblick in den Alltag des Volkes und erfahren interessante Fakten über die HMong:

  • Die H`Mong sind zu finden in Südchina, Laos, Thailand und Vietnam und werden daher als grenzenloses Volk bezeichnet. Während der Indochinakriege hat sich die Anzahl erheblich reduziert. Es handelt sich um ein noch sehr traditionelles Volk mit einem sehr ausgeprägten Familienzusammenhalt und einer klaren Rollenverteilung:
  • Die Frauen betreiben Handel, kochen, kümmern sich um die Kinder und lernen sogar Englisch, um sich auf den Tourismus einstellen zu können.
  • Die Männer hingegen verlassen ihr Bergdorf so gut wie nie. Nur wenige von ihnen können Lesen oder Schreiben. Sie sind verantwortlich für die Nahrungsbeschaffung, das Holz zu sammeln und für handwerkliche Dinge wie Reparaturen. Es besteht wenig bis kein Interesse am modernen Leben oder am Lernen neuer Dinge.
  • Jedes Kind ist für sein nächstkleineres Geschwisterchen verantwortlich. Das älteste Kind ist damit für all seine kleineren Geschwister vor seinen Eltern verantwortlich. Kein seltenes Bild, dass ein junges Mädchen einen Säugling mit sich trägt.
  • Die Reisterrassen werden jedes Jahr aufs Neue mithilfe von Wasserbüffeln und per Hand in die steilen Berghänge eingearbeitet.

Am Abend verlassen wir Vietnam und brechen auf ins nächste Land unserer Reise: LAOS…


Unsere Tipps auf einen Blick:

  • Phong Nha Nationalpark alleine mit Roller gut machbar
  • Hanoi Street Food Tour – unbedingt alles probieren!
  • Lan Ha statt Ha Long
  • Lange Klamotten für Sa Pa

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Autor: Lisa

enjoy your journey!

2 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar!